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Die Geschichte der Genossenschaft


Kappel – ein Dorf wagt den Schritt zur Nahwärmeversorgung

Von Meinhard Bause und Peter Gaß

Grundgedanke

Da die Erdölreserven endlich sind und wir uns Gedanken machen müssen, wie wir in Zukunft unsere Häuser beheizen können, bietet sich eine zentrale Wärmeversorgung mit nachwachsenden Rohstoffen an. Rohstoffe aus der eigenen Region können hierzu genutzt werden. Somit sinkt die Abhängigkeit von den Ölförderländern und politischen Konflikten.

Die Gemeinde Kappel ist im Besitz von 340 ha Waldfläche. Die durch nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes jährlich anfallende Holzmenge kann zum Teil in einer zentralen Hackschnitzelheizung verbrannt werden. Das hochwertige Möbel- und Bauholz wird weiterhin auf dem Holzmarkt angeboten. Der übrig gebliebene Schwachholzanteil kann ohne lange Transportwege vor Ort genutzt werden.

Die Grundwärme kann die Biogasanlage am Ortsrand unter Verwendung der Abwärme der Stromerzeugung durch zwei Blockheizkraftwerke bereitstellen. Die Nutzung dieser Wärme bringt den Mitgliedern der Genossenschaft einen erheblichen finanziellen sowie funktionalen Vorteil. Durch die Verteilung der Erzeugung auf mehrere Anlagen soll die Versorgungssicherheit verbessert werden. Bei Ausfall eines Kessels oder BHKWs können die anderen Anlagen den gesamten Bedarf decken. 

 

Einige Bürger erkannten diese günstigen Voraussetzungen. Von dem damaligen Gemeinderat wurde ein Arbeitskreis zur Entwicklung eines Konzeptes für die Wärmeversorgung über ein Nahwärmenetz eingerichtet.

 

Projektvorstellung

Bei einer öffentlichen Versammlung im Gemeindehaus wurde das erarbeitete Konzept vorgestellt. In der Nachbargemeinde Ober Kostenz war man zu diesem Zeitpunkt schon einen Schritt weiter, die Planungen waren abgeschlossen und der Baubeginn stand fest. Der Ober Kostenzer Bürgermeister Gerd Schreiner stellte den interessierten Kappeler Bürgern das Projekt seiner Gemeinde mit Begeisterung vor.

 

Projektstart

Nach der Versammlung wurde das Ingenieurbüro Björnsen aus Koblenz mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Dazu wurden über 80 Erhebungsbogen zum Energieverbrauch der Wohnhäuser der interessierten Mitbürger ausgewertet. Aus diesen Daten wurden die benötigte Wärmemenge sowie die Länge des Rohrnetzes ermittelt.

Das Ergebnis wurde anschließend in einer weiteren Bürgerversammlung ausführlich vorgestellt:

  • Ein Wärmenetz in Kappel kann wirtschaftlich betrieben werden. Die Rohrlänge von ca. 4 km und mehr als 80 Abnahmestellen können von einer Heizzentrale mit einer Leistung von 750 kW versorgt werden.
  • Für die Grundversorgung mit Heizwärme und Wärme für die Warmwassererzeugung in den Sommermonaten kann die Abwärme der vorhandenen Biogasanlage genutzt werden.

 

Entwicklungsphase

In wöchentlichen Treffen des Arbeitskreises Nahwärmenetz Kappel wurde das Projekt Schritt für Schritt weiter entwickelt, dabei wurden Informationen aus den Bereichen Hochbau, Tiefbau, Heizanlagenbau, regionale Verteilnetze, Finanzierung und Verwaltung beschafft.

 

Um dann auch allen interessierten Bürgern einen Einblick in ein bestehendes Nahwärmenetz zu geben, wurden zwei Besichtigungsfahrten unternommen.

Die erste Reise ging am 14. September 2013 nach Oberrosphe. Hier hatten 25 interessierte Kappeler Bürger die Möglichkeit, sich über das Konzept Nahwärmenetz in einer vergleichbaren Größenordnung zu Kappel ein Bild zu machen.

Die zweite Besichtigungsreise führte am 1. Februar 2014 nach Lingelbach. Diese Anlage war im Oktober 2013 mit 100 Haushalten im Anschlussbereich in Betrieb gegangen. Den 32 Teilnehmern wurden ausführliche Informationen über den Ausbau des Netzes und den Betrieb der Lingelbacher Heizanlage gegeben.

 

Schließlich konnte am 23. Februar 2014 auch die neue Heizzentrale in Ober Kostenz besichtigt werden.

 

Genossenschaft

Der Bau und Betrieb eines Nahwärmenetzes ist eine große wirtschaftliche Herausforderung. Die benötigten Investitionen übersteigen schnell die finanziellen Möglichkeiten einzelner oder einer kleinen Gruppe, deshalb bietet sich die Gründung einer Genossenschaft an. Die Genossenschaft kann die Planung und den Aufbau der gesamten Anlage durchführen lassen, sie kann mit Bankinstituten einen Finanzierungsplan erstellen und auch öffentliche Fördermittel beantragen.

 

Die Gemeinde Kappel hat im Februar 2014 mit Ratsbeschluss einen einmaligen Baukostenzuschuss von 4.600 € je Bürger, der einen Anschluss an das Nahwärmenetz realisiert, verabschiedet.

Zusammen mit einem Genossenschaftsanteil von 2.500 € je Hausübergabestation ist dann auch das Startkapital der Energiegenossenschaft Kappel vorhanden.

 

Die Gründungsversammlung der Energiegenossenschaft Kappel fand am 20. März 2014 statt.

 

In den Vorstand wurden folgende Personen gewählt:

  1. Marco Zilles

  2. Johannes Gaß

  3. Michael Stein

 

Der Aufsichtsrat setzt sich wie folgt zusammen:

 

  1. Ortsbürgermeister der Gemeinde Kappel

  2. Lothar Kuhn

  3. Uli Bauer

  4. Hans Braun

  5. Siegfried Jung

 

Bauhistorie des Wärmenetzes und des Heizwerkes

 

  • 07.2014: Baubeginn des Wärmenetzes (Bauabschnitt 1)
  • 09.2014: Herrichtung des Grundstückes und Baubeginn des Heizwerkgebäudes
  • 11.2014: Baubeginn der Heizungstechnik mit Kesselanlage und Anschluss an das bestehende Wärmenetz der Biogasanlage
  • 12.2014: Inbetriebnahme der Heizungstechnik mit Handbetrieb der Anlagenbestandteile
  • 01.2015: Baubeginn des Wärmenetzes (Bauabschnitte 2 bis 7)
  • 05.2015: Inbetriebnahme der automatischen Steuerung der Heizungsanlage mit Aufschaltung der ersten vier Gebäude
  • 11.2015: Inbetriebnahme des letzten Bauabschnittes des Nahwärmenetzes